DXF oder STEP — wie Sie CAD-Dateien für die Lohnfertigung richtig anlegen
Für ebene Blechteile ist DXF das richtige Format: Es enthält die 2D-Kontur der Abwicklung. Für Rohre, Profile und Baugruppen wird STEP benötigt, weil hier die räumliche Geometrie entscheidet. Beide Dateien sollten ausschließlich Schnittkonturen enthalten, im Maßstab 1:1 in Millimetern vorliegen und geschlossene Konturen ohne doppelte Linien aufweisen. Bemaßungen, Rahmen und Schriftfelder gehören in eine separate Zeichnung.
DXF oder STEP — wann welches Format
DXF und STEP lösen unterschiedliche Aufgaben. Das eine beschreibt eine Fläche, das andere einen Körper.
DXF (Drawing Interchange Format) ist ein 2D-Austauschformat. Es enthält Linien, Bögen, Kreise und Polylinien in einer Ebene — genau das, was ein Flachbettlaser braucht. Der Zuschnitt eines Biegeteils wird als Abwicklung übergeben, also als das ausgebreitete Blech vor dem Biegen. Die höchste Kompatibilität über CAD- und CAM-Systeme hinweg bietet nach wie vor die Version DXF R12.
STEP (Standard for the Exchange of Product Model Data, ISO 10303) ist ein 3D-Austauschformat. Üblich sind die Anwendungsprotokolle AP203, AP214 und AP242. STEP transportiert Volumenkörper und ist Voraussetzung für alles, was räumlich programmiert wird: Rohre mit Ausklinkungen, Profile mit Durchbrüchen, Baugruppen.
| Bauteilart | Benötigtes Format | Begründung |
|---|---|---|
| Ebenes Blechteil ohne Biegung | DXF | Kontur liegt in einer Ebene |
| Biegeteil aus Blech | DXF der Abwicklung (zusätzlich STEP hilfreich) | Zuschnitt zweidimensional, Biegefolge räumlich |
| Rohr oder Profil mit Bearbeitung | STEP | 3D-Geometrie am Umfang |
| Schweißbaugruppe | STEP der Baugruppe + DXF/STEP der Einzelteile | Lagebeziehung und Einzelteilfertigung |
| Nur Längenzuschnitt Rohr | Textangabe genügt oft | Länge, Querschnitt, Wanddicke reichen |
Ein Punkt, der regelmäßig für Rückfragen sorgt: Für ein Biegeteil ist die Abwicklung nicht neutral. Sie hängt vom Innenradius und damit vom eingesetzten Werkzeug ab. Wenn Sie die Abwicklung selbst erzeugen, geben Sie bitte an, mit welchem Biegeradius und welchem Korrekturfaktor gerechnet wurde. Alternativ liefern Sie das 3D-Modell und lassen den Fertiger abwickeln — das ist in der Regel der sicherere Weg.
Was eine saubere DXF-Datei ausmacht
Eine fertigungstaugliche DXF-Datei ist erstaunlich karg. Sie enthält nur das, was geschnitten wird.
Nur Schnittkonturen. Außenkontur und Innenkonturen (Bohrungen, Ausschnitte, Langlöcher) — sonst nichts. Alles andere muss der Arbeitsvorbereiter entfernen, und jeder manuelle Eingriff ist eine mögliche Fehlerquelle.
Geschlossene Konturen. Jede Kontur muss ein durchgehender, geschlossener Linienzug sein. Lücken von 0,01 mm sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, für die CAM-Software aber eine offene Kontur — und die lässt sich nicht schneiden.
Maßstab 1:1 in Millimetern. Die Geometrie muss die tatsächlichen Maße tragen. DXF kennt zwar die Header-Variable $INSUNITS für die Einheit, viele Systeme werten sie jedoch nicht aus. Ein in Zoll gezeichnetes Teil kommt dann 25,4-fach zu groß aus der Maschine.
Getrennte Layer für unterschiedliche Bearbeitungen. Bewährt hat sich eine einfache Struktur: AUSSEN, INNEN, GRAVUR, BIEGELINIE. Damit ist ohne Rückfrage klar, was geschnitten und was nur markiert wird.
Sinnvoller Nullpunkt. Die Geometrie sollte nahe am Koordinatenursprung liegen. Modelle mit Koordinaten im Millionenbereich — meist durch Kopieren aus einem großen Anlagenmodell entstanden — erzeugen in manchen CAM-Systemen Rundungsfehler.
Ein Bauteil je Datei. Mehrere Teile in einer DXF sind möglich, aber fehleranfällig, sobald sich Stückzahlen oder Materialstärken unterscheiden. Besser: je Bauteil eine Datei, benannt nach Zeichnungsnummer und Revision, zum Beispiel 12345_Rev-B.dxf.
Die häufigsten Fehler in DXF-Dateien
Die folgenden Punkte verursachen in der Arbeitsvorbereitung den meisten Aufwand. Sie kosten Zeit vor dem Angebot — und damit Durchlaufzeit.
| Fehler | Was in der Fertigung passiert | Abhilfe |
|---|---|---|
| Offene Kontur | Teil lässt sich nicht schneiden, Rückfrage nötig | Konturen prüfen und schließen, Fangfunktion nutzen |
| Doppelte, übereinanderliegende Linien | Maschine schneidet zweimal; Brandspuren, Gratbildung, längere Laufzeit | Duplikate entfernen (z. B. Befehl „Überlappung bereinigen“) |
| Bemaßung, Rahmen, Schriftfeld in der Datei | Elemente werden mitgeschnitten oder müssen manuell gelöscht | Nur Kontur exportieren, Bemaßung als separates PDF |
| Text als Schriftart statt als Kontur | Schrift fehlt oder wird durch Ersatzschrift verzerrt | Text in Kurven/Konturen umwandeln |
| Falsche Einheit (Zoll statt Millimeter) | Bauteil in falscher Größe, Materialverlust | Vor Export Einheit auf Millimeter stellen |
| Maßstab ungleich 1:1 | Alle Maße systematisch falsch | Immer im Originalmaßstab exportieren |
| Splines statt Linien und Bögen | Ruckelnde Bahn, längere Laufzeit, welliger Schnitt | Splines mit Toleranz ≤ 0,01 mm in Polylinien wandeln |
| Blöcke nicht aufgelöst | Geometrie wird nicht erkannt | Blöcke vor dem Export auflösen |
| Schraffuren in der Datei | Tausende zusätzlicher Linien | Schraffurlayer ausschalten oder löschen |
| 3D-Elemente im 2D-DXF | Konturen doppelt oder verzerrt | Aus 2D-Ansicht exportieren, nicht aus dem 3D-Modell |
| Nullpunkt weit außerhalb | Rundungsfehler, unübersichtliche Verschachtelung | Geometrie zum Ursprung verschieben |
| Bohrung als Punkt statt als Kreis | Bohrung fehlt im Zuschnitt | Kreise mit tatsächlichem Durchmesser zeichnen |
Eine Prüfung, die in fast jedem CAD-System in unter einer Minute erledigt ist: Selektieren Sie alles, zählen Sie die Elemente, löschen Sie Duplikate und zählen Sie erneut. Weicht die Zahl ab, lag ein Duplikat vor.
STEP-Dateien für Rohr, Profil und Baugruppe
Beim Rohrlaser wird in 2D und 3D programmiert. Damit das funktioniert, muss die STEP-Datei den Körper eindeutig beschreiben.
Volumenkörper statt Flächenmodell. Ein Flächenmodell (Surface) beschreibt nur Hüllflächen. Sind diese nicht vollständig geschlossen, kann die CAM-Software keine Wanddicke ableiten. Exportieren Sie das Bauteil als geschlossenen Volumenkörper (Solid).
Vollständiges Rohprofil. Das Modell sollte das Rohr oder Profil in seiner tatsächlichen Querschnittsform zeigen — mit Außenmaß, Wanddicke und, bei Rechteckrohren, den Eckradien. Diese Radien sind fertigungsbedingt vorhanden; ein Modell mit scharfen Ecken passt nicht zum realen Halbzeug.
Einzelteile getrennt. Bei einer Schweißbaugruppe hilft eine STEP-Datei der gesamten Baugruppe, um Lage und Fügefolge zu verstehen. Für die Fertigung werden zusätzlich die Einzelteile benötigt — entweder als eigene STEP-Dateien oder als sauber benannte Komponenten innerhalb der Baugruppendatei.
Keine Hilfsgeometrie. Skizzen, Achsen, Ebenen und Referenzkörper haben im Exportmodell nichts verloren. Sie erzeugen im CAM-System Störgeometrie.
Konsistente Benennung. Ein Dateiname wie Rohr_40x40x3_L1200_Pos-14.step sagt mehr als Teil1.step und verhindert Verwechslungen bei Baugruppen mit vielen ähnlichen Positionen.
Wenn Sie im 3D-System die Wahl haben, ist AP242 die aktuellste Variante und transportiert bei Bedarf auch Toleranzangaben als PMI-Daten. Wo Kompatibilität wichtiger ist als Funktionsumfang, ist AP214 eine sichere Wahl.
Was die CAD-Datei nicht transportiert
Der häufigste Irrtum in der Lohnfertigung: Die CAD-Datei enthält die Geometrie — und sonst nichts, was für ein Angebot gebraucht wird. Die folgenden Angaben lassen sich aus keiner DXF- und aus den wenigsten STEP-Dateien ablesen:
| Angabe | Warum sie fehlt | Wo sie hingehört |
|---|---|---|
| Werkstoff und Werkstoffnummer | Geometrie kennt kein Material | Anfragetext oder Zeichnungskopf |
| Materialstärke (bei DXF) | 2D-Kontur hat keine Dicke | Anfragetext oder Zeichnung |
| Oberflächengüte des Halbzeugs | nicht Teil der Geometrie | Anfrage (z. B. „1.4301, Oberfläche 2B, foliert“) |
| Stückzahl | nicht Teil der Geometrie | Anfrage |
| Toleranzen enger als Allgemeintoleranz | in DXF nicht enthalten | bemaßte Zeichnung als PDF |
| Kantenzustand (entgratet, gebrochen) | nicht Teil der Geometrie | Anfrage oder Zeichnung |
| Oberflächenbehandlung | nicht Teil der Geometrie | Anfrage |
| Biegerichtung und Biegefolge | aus der Abwicklung nicht eindeutig | 3D-Modell oder Zeichnung mit Biegerichtung |
Praktische Konsequenz: Senden Sie zur CAD-Datei immer ein bemaßtes PDF. Es kostet Sie eine Minute und beantwortet die meisten Rückfragen, bevor sie entstehen. Die CAD-Datei ist für die Maschine, das PDF für den Menschen.
Checkliste vor dem Versand
Für DXF-Dateien
- Maßstab 1:1, Einheit Millimeter
- Alle Konturen geschlossen, keine Lücken
- Keine doppelten oder übereinanderliegenden Linien
- Keine Bemaßung, kein Rahmen, kein Schriftfeld
- Texte in Konturen umgewandelt oder auf Gravurlayer
- Splines in Linien und Bögen gewandelt (Toleranz ≤ 0,01 mm)
- Blöcke aufgelöst, Schraffuren entfernt
- Layer sinnvoll getrennt (Außen, Innen, Gravur, Biegelinie)
- Geometrie nahe am Nullpunkt
- Ein Bauteil je Datei, Dateiname mit Zeichnungsnummer und Revision
- Version DXF R12 oder neuer, wenn nicht anders vereinbart
Für STEP-Dateien
- Export als Volumenkörper, nicht als Flächenmodell
- Querschnitt vollständig, inklusive Eckradien und Wanddicke
- Keine Hilfsgeometrie, Skizzen oder Referenzebenen
- Baugruppe und Einzelteile eindeutig benannt
- Anwendungsprotokoll AP214 oder AP242
Immer zusätzlich beilegen
- Bemaßtes PDF mit Toleranzen und Allgemeintoleranzklasse
- Werkstoff, Materialstärke, Oberflächengüte
- Stückzahl und Wunschtermin
- Angaben zu Oberflächenbehandlung und Kantenzustand
Häufige Fragen
Welches Dateiformat brauche ich für Laserschneiden?
Für ebene Blechteile wird eine DXF-Datei benötigt, die ausschließlich die 2D-Schnittkontur im Maßstab 1:1 enthält. Für Rohre, Profile und Baugruppen ist eine STEP-Datei erforderlich, weil dort die räumliche Geometrie relevant ist. Ein zusätzliches bemaßtes PDF beantwortet Fragen zu Toleranzen und Werkstoff.
Warum sind doppelte Linien in einer DXF-Datei ein Problem?
Doppelte Linien führen dazu, dass die Maschine dieselbe Kontur zweimal schneidet. Das verlängert die Bearbeitungszeit, erzeugt Brandspuren und Grat an der Kante und kann bei dünnem Blech das Teil verziehen. Die meisten CAD-Systeme bieten eine Funktion zum Bereinigen überlappender Elemente.
Kann ich eine PDF-Zeichnung statt einer CAD-Datei schicken?
Eine PDF-Zeichnung allein genügt für die Fertigung nicht, weil sie keine maschinenlesbare Kontur enthält. Sie ist aber als Ergänzung wichtig: Toleranzen, Werkstoff und Oberflächenangaben stehen dort. Liegt keine CAD-Datei vor, lässt sich die Zeichnung gegen Aufwand nachkonstruieren.
Was ist der Unterschied zwischen AP203, AP214 und AP242?
AP203, AP214 und AP242 sind Anwendungsprotokolle des STEP-Standards ISO 10303. AP203 überträgt reine Geometrie, AP214 zusätzlich Farben und Baugruppenstruktur, AP242 darüber hinaus Toleranz- und Fertigungsinformationen als PMI-Daten. Für die Blech- und Rohrfertigung sind AP214 und AP242 üblich.
Muss ich die Abwicklung eines Biegeteils selbst erzeugen?
Die Abwicklung sollte im Zweifel der Fertiger erzeugen, weil ihre Länge vom verwendeten Biegewerkzeug und dem daraus resultierenden Innenradius abhängt. Wenn Sie selbst abwickeln, geben Sie den zugrunde gelegten Innenradius und Korrekturfaktor an — sonst weichen Fertigmaße systematisch ab.
In welcher DXF-Version soll ich exportieren?
DXF R12 ist die kompatibelste Version und wird von praktisch jedem CAM-System gelesen. Neuere Versionen funktionieren in der Regel ebenfalls, können aber Objekte enthalten, die ältere Systeme nicht interpretieren. Im Zweifel exportieren Sie R12 und prüfen die Datei anschließend in einem neutralen Viewer.
Praxisbezug Gresförder
Für Blechteile arbeiten wir mit DXF, für Rohre und Profile mit STEP — das sind die Formate, die unsere Trumpf-Anlagen direkt verarbeiten. Kommt eine Datei mit offenen Konturen oder doppelten Linien bei uns an, melden wir uns, statt sie stillschweigend zu korrigieren. Und wenn gar keine CAD-Datei vorliegt: Unsere Konstruktion erstellt die Fertigungsunterlagen auf Basis einer bemaßten Skizze.
Im Anfrageformular können Sie mehrere Dateien mit je bis zu 50 MB hochladen (insgesamt bis 200 MB je Anfrage) — als STEP, STP, DXF, DWG oder PDF.