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Welche Angaben braucht ein Lohnfertiger für ein belastbares Angebot?

Ein belastbares Angebot braucht sieben Angaben: Werkstoff mit Werkstoffnummer, Materialstärke, Stückzahl, Toleranzanforderung, Oberflächenbehandlung, Wunschtermin und eine maschinenlesbare CAD-Datei — DXF für Blech, STEP für Rohr und Baugruppe. Fehlt eine dieser Angaben, entsteht entweder eine Rückfrage oder ein Angebot unter Annahmen. Beides kostet Zeit — meist genau die Zeit, die am Ende beim Termin fehlt.

Die sieben Pflichtangaben jeder Anfrage

Die folgende Tabelle ist der Kern dieses Beitrags. Wer diese sieben Zeilen beantwortet, bekommt in aller Regel ein Angebot ohne Rückfrage.

AngabeWarum sie gebraucht wirdBeispielFolge, wenn sie fehlt
Werkstoff mit Kurzname und Werkstoffnummerbestimmt Einkaufspreis, Verfügbarkeit, Schneidgas und Schweißverfahren1.4301 (X5CrNi18-10)Rückfrage oder Angebot auf Basis einer Annahme
Materialstärkebestimmt Schneidzeit, Verfahren und Umformbarkeit3 mmkeine Kalkulation möglich
Stückzahl und Abrufverhaltenverteilt Rüst- und Programmierkosten50 Stück, Wiederholbedarf 4× jährlichEinzelstückpreis statt Serienpreis
Toleranzen und Allgemeintoleranzklassebestimmt Prozessfolge und PrüfaufwandDIN ISO 2768-mK, Maß A ±0,1 mmvorsichtshalber teurer kalkuliert
Oberfläche (Halbzeug und Behandlung)Halbzeuggüte und FolgeprozesseOberfläche 2B, foliert, danach glasperlgestrahltNacharbeit nicht eingeplant
Terminbestimmt Materialbeschaffung und EinlastungBedarf KW 42, Teillieferung möglichunverbindliche Aussage
CAD-Datei im richtigen FormatGrundlage der ProgrammierungDXF (Blech), STEP (Rohr)Konstruktionsaufwand vor dem Angebot

Diese sieben Angaben passen in eine E-Mail. Sie ersetzen im Regelfall ein Telefonat und verkürzen die Angebotszeit deutlich, weil die Arbeitsvorbereitung sofort kalkulieren kann statt erst zu recherchieren.

Wie die CAD-Datei aussehen sollte

Werkstoff und Oberfläche eindeutig benennen

„Edelstahl“ ist keine Werkstoffangabe. Zwischen 1.4301 und 1.4571 liegen deutliche Unterschiede in Preis, Verfügbarkeit, Zerspanbarkeit und Korrosionsbeständigkeit. Ein Bauteil, das im Außenbereich oder in chloridhaltiger Umgebung eingesetzt wird, braucht in der Regel 1.4404 oder 1.4571 — ein 1.4301 an derselben Stelle korrodiert.

Geben Sie deshalb immer Kurzname und Werkstoffnummer an. Bei Stahl gehört zusätzlich der Lieferzustand dazu (warmgewalzt, gebeizt und geölt, kaltgewalzt, verzinkt), bei Aluminium der Zustand (O, H111, H22, T6), weil davon die Umformbarkeit abhängt.

Bei Edelstahl ist die Oberflächengüte des Halbzeugs ein eigener Preisfaktor:

BezeichnungBeschreibungTypische Verwendung
1Dwarmgewalzt, geglüht, gebeiztdickere Bleche, nicht sichtbar
2Bkaltgewalzt, geglüht, gebeizt, nachgewalztStandardoberfläche
2R / BAblankgeglüht, glänzendsichtbare Flächen ohne Schliff
Schliff K240 / K320einseitig geschliffenSichtflächen, Ladenbau, Küchentechnik
foliertSchutzfolie auf einer SeiteSchutz vor Kratzern in der Fertigung

Der Hinweis „foliert“ ist kein Detail: Ohne Folie entstehen Kratzer, die bei einer geschliffenen Sichtfläche zur Reklamation führen. Mit Folie fällt das Abziehen und gegebenenfalls das Entfernen von Klebstoffresten als Arbeitsschritt an.

Ebenso wichtig ist die Angabe, was nach der Fertigung passiert. Ein Stahlteil, das lackiert oder pulverbeschichtet wird, sollte mit Stickstoff geschnitten oder nach dem Schneiden entzundert werden — die Oxidschicht aus dem Sauerstoffschnitt trägt Beschichtungen nicht dauerhaft. Diese Entscheidung fällt im Arbeitsplan, nicht nachträglich.

Toleranzen nur dort eng setzen, wo sie gebraucht werden

Der teuerste Satz in einer Anfrage lautet: „Alle Maße ±0,1 mm.“ Er verteuert das Bauteil in dreifacher Hinsicht — er erzwingt eine engere Prozessführung, er erfordert mehr Messungen, und er erzeugt Ausschuss bei Maßen, die funktional irrelevant sind. Der bessere Weg ist zweistufig:

Allgemeintoleranz im Schriftfeld angeben

Zum Beispiel „Allgemeintoleranzen DIN ISO 2768-mK“. Damit ist für alle nicht bemaßten Abweichungen eine klare Regel gesetzt.

Funktionsmaße einzeln tolerieren

Meist sind es zwei oder drei: ein Lochabstand für eine Verschraubung, eine Passlänge, ein Winkel an einer Anschlussfläche.

Hilfreich ist außerdem eine kurze Angabe zur Funktion. Der Hinweis „diese Bohrung nimmt eine M8-Schraube mit Durchgangsloch auf“ sagt mehr als jede Toleranz und erlaubt es dem Fertiger, gegebenenfalls einen einfacheren Weg vorzuschlagen. Ähnliches gilt für Schweißbaugruppen: Die Angabe der Bewertungsgruppe nach DIN EN ISO 5817 (B, C oder D) verhindert, dass entweder zu aufwendig oder zu einfach kalkuliert wird.

Was tatsächlich erreichbar ist

Stückzahl, Termin und Abrufverhalten

Die Stückzahl verändert den Stückpreis stärker als jeder andere Parameter, weil Programmierung, Rüsten und Materialanschnitt Fixkosten sind, die sich auf die Menge verteilen. Zwischen einem Einzelstück und 100 Stück liegen deshalb regelmäßig Faktoren, nicht Prozente.

Für ein belastbares Angebot sind drei Angaben nützlich:

  • Aktuelle Bedarfsmenge — was jetzt gebraucht wird.
  • Erwarteter Jahresbedarf — ob es sich um einen Einmalbedarf oder einen wiederkehrenden Artikel handelt.
  • Abrufverhalten — ob auf einmal oder gestaffelt geliefert werden soll.

Wer einen Jahresbedarf nennt, kann in der Regel als Rahmenauftrag mit Abrufen kalkuliert werden: Material wird gebündelt beschafft, das Programm einmal erstellt, die Fertigung in wirtschaftlichen Losgrößen eingeplant. Das ist häufig günstiger als mehrere unabhängige Einzelbestellungen derselben Menge.

Beim Termin gilt: „So schnell wie möglich“ ist keine Terminangabe. Nützlicher sind der tatsächliche Bedarfstermin, die Information, ob eine Teillieferung hilft, und der Hinweis, ob der Termin an einem festen Ereignis hängt — einer Montage, einer Messe, einem Maschinenstillstand. Ein Fertiger, der weiß, dass zehn Teile am Dienstag reichen und der Rest zwei Wochen später kommen darf, kann Kapazität ganz anders einplanen als bei einer pauschalen Eilanfrage.

Ein Punkt, der die Lieferzeit oft stärker bestimmt als die Fertigung selbst: die Materialbeschaffung. Lagerübliche Werkstoffe und Stärken sind kurzfristig verfügbar, Sondermaße und Sonderoberflächen nicht. Wer bei der Materialwahl Spielraum hat, sollte das in der Anfrage erwähnen.

Unterlagen und Prüfdokumente

Zur Anfrage gehören idealerweise drei Dokumente: die CAD-Datei für die Maschine, ein bemaßtes PDF für den Menschen und eine Stückliste, sobald mehr als ein Teil beteiligt ist. Die Stückliste sollte Position, Bezeichnung, Werkstoff, Materialstärke und Menge je Baugruppe enthalten.

Wird eine Prüfbescheinigung für das Material benötigt, muss das in der Anfrage stehen — nachträglich lässt sich ein Zeugnis für bereits verarbeitetes Material nicht mehr beschaffen. Die Arten regelt DIN EN 10204:

ArtBezeichnungInhaltBestätigt durch
2.1WerksbescheinigungBestätigung der Bestellkonformität, ohne PrüfergebnisseHersteller
2.2WerkszeugnisBestellkonformität plus Ergebnisse nichtspezifischer PrüfungHersteller
3.1AbnahmeprüfzeugnisErgebnisse spezifischer Prüfung am gelieferten Erzeugnisvom Fertigungsbereich unabhängiger Beauftragter des Herstellers
3.2Abnahmeprüfzeugniswie 3.1, zusätzlich extern bestätigtBeauftragter des Bestellers oder amtlicher Prüfer

Weitere Punkte, die je nach Branche vor der Bestellung geklärt gehören:

  • Bewertungsgruppe der Schweißnähte nach DIN EN ISO 5817 (B, C oder D)
  • Erstmusterprüfbericht und Messprotokolle
  • Kennzeichnung der Teile (Positionsnummer, Chargennummer, Laserbeschriftung)
  • Verpackung (Gitterbox, Palette, Einzelverpackung, Transportsicherung)
  • Lieferbedingung (ab Werk, frei Haus, Selbstabholung)
  • Vertraulichkeit, wenn Zeichnungen nicht weitergegeben werden dürfen

Typische Missverständnisse

Formulierung in der AnfrageWarum sie Probleme machtBesser
„Material Edelstahl“1.4301, 1.4404 und 1.4571 unterscheiden sich in Preis und Eignung deutlich„1.4404, Oberfläche 2B“
„Alle Maße ±0,1 mm“verteuert alle Maße, auch funktionsloseAllgemeintoleranz plus zwei bis drei Funktionsmaße
„So schnell wie möglich“keine planbare GrößeBedarfstermin nennen, Teillieferung anbieten
„Preis für ein Stück, wir brauchen später mehr“Einzelstückpreis enthält die vollen RüstkostenStaffelpreis für 1 / 10 / 100 Stück anfragen
„Zeichnung liegt bei“ (nur PDF)PDF enthält keine maschinenlesbare KonturCAD-Datei plus PDF senden
„Teile gelasert“sagt nichts über den Kantenzustand„Kanten gratfrei, gebrochen 0,3 × 45°“
„Wird später lackiert“ fehltSchneidgaswahl und Entzunderung nicht eingeplantFolgeprozess in der Anfrage nennen
„Maße aus der Zeichnung abgreifen“Zeichnungen sind oft nicht maßstabsgetreuvollständig bemaßte Zeichnung senden
Sichtseite nicht gekennzeichnetAnbindungen und Werkzeugspuren landen auf der falschen SeiteSichtseite in der Zeichnung markieren
„Sie stellen ja das Material“ja, aber Güte, Oberfläche und Zeugnis müssen vorgegeben seinWerkstoff, Zustand, Zeugnisart angeben
Änderung nach MaterialbestellungMaterial ist bereits beschafft und zugeschnittenKonstruktionsstand vor Freigabe einfrieren

Der häufigste Konflikt in der Lohnfertigung entsteht nicht durch schlechte Arbeit, sondern durch unausgesprochene Annahmen auf beiden Seiten. Der Besteller geht davon aus, dass entgratet wird; der Fertiger geht davon aus, dass es nicht bestellt war. Beide haben nach Aktenlage recht. Eine Anfrage, die diese Punkte benennt, ist die wirksamste Reklamationsvermeidung, die es gibt.

Checkliste zum Abhaken

Bauteil und Material

  • Werkstoff mit Kurzname und Werkstoffnummer
  • Lieferzustand (warmgewalzt, gebeizt, kaltgewalzt, verzinkt, T6 …)
  • Materialstärke bzw. Wanddicke
  • Oberflächengüte des Halbzeugs (z. B. 2B, Schliff K240, foliert)

Menge und Termin

  • Aktuelle Stückzahl
  • Erwarteter Jahresbedarf / Wiederholbedarf
  • Gewünschter Bedarfstermin
  • Teillieferung möglich? Ja / Nein

Qualität

  • Allgemeintoleranzklasse im Schriftfeld (z. B. DIN ISO 2768-mK)
  • Funktionsmaße einzeln toleriert
  • Kantenzustand (gratfrei, gebrochen, verputzt)
  • Bewertungsgruppe der Schweißnähte (B / C / D)
  • Sichtseiten gekennzeichnet
  • Prüfbescheinigung erforderlich? (EN 10204 2.2 / 3.1)
  • Messprotokoll oder Erstmusterprüfbericht erforderlich?

Weiterverarbeitung

  • Oberflächenbehandlung (Schleifen, Glasperlstrahlen, Beizen, Beschichten)
  • Folgeprozess beim Besteller (Lackieren, Verzinken, Montage)
  • Kennzeichnung der Teile

Unterlagen

  • CAD-Datei: DXF für Blech, STEP für Rohr und Baugruppe
  • Bemaßtes PDF
  • Stückliste bei Baugruppen
  • Ansprechpartner mit Telefonnummer für technische Rückfragen

Kaufmännisches

  • Lieferadresse und Lieferbedingung
  • Verpackungsanforderung
  • Vertraulichkeitsvereinbarung erforderlich?

Häufige Fragen

Welche Angaben braucht ein Lohnfertiger für ein Angebot?

Für ein Angebot werden Werkstoff mit Werkstoffnummer, Materialstärke, Stückzahl, Toleranzanforderung, Oberflächenangaben, Wunschtermin und eine CAD-Datei benötigt. Für Blechteile ist DXF das passende Format, für Rohre und Baugruppen STEP. Ein zusätzliches bemaßtes PDF beantwortet die meisten Rückfragen im Voraus.

Warum reicht die Angabe „Edelstahl“ nicht aus?

„Edelstahl“ bezeichnet eine ganze Werkstoffgruppe mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. 1.4301 ist der Standardwerkstoff, 1.4404 und 1.4571 sind molybdänlegiert und deutlich beständiger gegen Chloride — bei entsprechend höherem Preis. Ohne Werkstoffnummer ist weder Kalkulation noch Materialbeschaffung möglich.

Was ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1?

Ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach DIN EN 10204 dokumentiert die Ergebnisse einer spezifischen Prüfung am tatsächlich gelieferten Material. Es wird von einem vom Fertigungsbereich unabhängigen Beauftragten des Herstellers bestätigt. Es muss bei der Anfrage angefordert werden, weil es sich nachträglich nicht mehr beschaffen lässt.

Wie stark beeinflusst die Stückzahl den Preis?

Die Stückzahl beeinflusst den Stückpreis erheblich, weil Programmierung, Rüsten und Materialanschnitt Fixkosten sind, die sich auf die Menge verteilen. Zwischen einem Einzelstück und 100 Stück liegen häufig Faktoren statt Prozente. Fragen Sie deshalb Staffelpreise für mehrere Mengen an.

Muss ich eine Zeichnung haben, um anzufragen?

Eine bemaßte Zeichnung ist der schnellste Weg zum Angebot, aber keine zwingende Voraussetzung. Viele Lohnfertiger erstellen die Fertigungsunterlagen auf Basis einer bemaßten Handskizze oder eines Musterteils gegen Aufwand. Wichtig ist, dass Funktionsmaße und Werkstoff eindeutig beschrieben sind.

Was bedeutet „Kanten gebrochen“?

„Kanten gebrochen“ bedeutet, dass scharfe Kanten mit einer definierten Fase oder Rundung versehen werden, üblicherweise 0,3 bis 0,5 mm. Das ist mehr als bloßes Entgraten, bei dem nur der Grat entfernt wird. Weil beide Zustände unterschiedlichen Aufwand bedeuten, sollte die Anfrage sie ausdrücklich benennen.

Praxisbezug Gresförder

Wir fertigen seit 1981 in Horn-Bad Meinberg im Lohnauftrag — Laserzuschnitt, Stanzen, Abkanten, Schweißen, Oberflächenbearbeitung und Montage an einem Standort. Für Blechteile benötigen wir eine DXF-Datei, für Rohre und Profile eine STEP-Datei. Serienteile liefern wir in der Regel innerhalb von 2 bis 3 Wochen ab Auftragsfreigabe. Wenn Ihnen bei einem Punkt der Checkliste die Antwort fehlt, ist das kein Hindernis: Rufen Sie an, wir klären es am Telefon in wenigen Minuten — und melden uns, wenn uns an Ihrer Zeichnung etwas auffällt, das die Fertigung teurer macht als nötig.

Auf Wunsch schließen wir vor dem Datenaustausch eine Geheimhaltungsvereinbarung (NDA). Lackieren und Pulverbeschichten liefern wir über geprüfte Partnerbetriebe komplett fertig mit — ein Auftrag, ein Ansprechpartner. Normteile beschaffen wir und verbauen sie direkt in der Baugruppe. Material kaufen wir ein oder verarbeiten Ihre Beistellung.

Telefon +49 5234 20644-0 · Nordstraße 64, 32805 Horn-Bad Meinberg

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